Berichte aus den Flüchtlingslagern Petra, Softex, Thessaloniki

8. November auf bento.de „Hier ist es schrecklicher als in einem Gefängnis“

6. September von Khalil Kermani

Ein aktueller Bericht über die Lage im Griechischen Flüchtligslager Softex

Zur Zeit leben 1100 Menschen, überwiegend Syrer in Softex, einer alten Fabrikhalle , weit ausserhalb Thessalonikis. Es gibt Dixi-Klos und auch kalte Duschen , mageres Essen, aufgefrischt von pakistanisch-englischen NGO’s außerhalb des Lagers. Sie haben auch einen comfortablen Medizinbus, zur Zeit, außer uns, ohne Ärzte und mit wenig Medikamenten bestückt. Die Ärzte im Lager würden nach Aussagen der Patenten alles mit paracetamol behandeln und notwendige stationäre Behandlungen zwar rezeptieren, aber nicht veranlassen. So liegen denn auch viele bettlägerig, oft alleine, weil ihre Angehörigen umgekommen sind , ihren Zelten. Es gibt Strom für Ventilatoren und Glühbirnen sowie manchmal einer Kochplatte, aber das zweipolige, oft nur lose verknotete Kabelnetz ist eine Katastrophe und äußerst lebensgefährlich. Wir wollen heute mit UNHCR darüber sprechen, befürchten aber, dass dann höchstens der Strom ganz abgestellt wird. Medizinisch haben wir sowohl im Medidocmobil als auch im Englisch-pakistanischem Bus , als auch in den Zelten gearbeitet. Vor 2 Tagen wäre ohne uns ein Syrer wahrscheinlich an seinem allergischen Schock gestorben. Bei vielen könnten wir nur die Symptome lindern, einige versuchen wir mit Hilfe unserer Freundin Eva zu verlegen. Heute fahren wir erst wieder nach Softex und dann in die Parks von Thessaloniki, wo sich überwiegend Afghanen verstecken, aus Angst in die Türkei deportiert zu werden.

http://avicenna-hilfswerk.de
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Die Straßen von Thessaloniki

Stolz holt der Mann mit dem krummen Rücken seinen Pappkarton aus dem Gebüsch und schon haben wir am Parkrand eine Behandlungsliege. Unsere kapitulierte schon am ersten Tag unter dem Gewicht der Sitz- und Schaulustigen unseres „Wartezimmers“. Die neben uns haben sogar gemeinsam eine Decke. Wenn die Gesichter nicht so bedrückt wären und es auch etwas zu essen oder trinken gäbe, könnte man an ein Picknick denken. Die Kinder scheint das ewige Warten, Laufen, immer wieder dursten und hungern, auf dem Boden schlafen, die Verzweiflung und Angst ihrer Eltern spüren, vielleicht Eltern oder Geschwister verlieren, nichts auszumachen, so wie sie, ganz im Hier und Jetzt selig auf der Schaukel schwingen. Die meisten waren schon einige Male bis nach Mazedonien oder Serbien gekommen, haben sich die Füße wund und die Schuhe kaputt gelaufen und warten hier auf den Straßen und den Parks von Thessaloniki auf den nächsten Versuch. Ein Zurück gibt es nicht, in die Lager möchten sie nicht. Als Afghaner werden sie regelmäßig in Bussen abtransportiert. In Softex gibt es schon keine mehr, nachdem vor einigen Tagen mehrere Hundert gleichzeitig in Busse gesteckt und weg gefahren wurden. Man weiß nicht so genau wohin, wahrscheinlich in die Türkei. Zum Glück gilt hier das gleiche System wie auf Lesbos oder Chios. Die Ertrunkenen und auf der Strecke erwischten brauchen nicht zu zahlen.
Khalil Kermani

Aktuelle Informationen aus den griechischen Flüchtlingslagern über Moving Europe

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