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Freude und Frust bei Osnabrücker Seebrücke

Pressemitteilung der Seebrücke Osnabrück
6.4.2020

Freude und Frust bei Osnabrücker Seebrücke

Mit einer Aktion vor dem Osnabrücker Hauptbahnhof hat die Osnabrücker Seebrücke am Wochenende dagegen protestiert, dass die vor einem Monat von mehreren europäischen Ländern gemachte Zusage, 1600 kranke und unbegleitete Kinder aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos/Griechenland zu evakuieren, immer noch nicht umgesetzt wurde. Auch Deutschland zeige sich wieder einmal als Bremser. Um an diese Kinder zu erinnern, malten Mitglieder der Seebrücke symbolische Fußabdrücke auf den Vorplatz des Bahnhofs.

Diese dringende humanitäre Maßnahme immer weiter zu verzögern, erscheine zynisch, wenn gleichzeitig die Einreise von Erntehelfern und Saisonarbeitern nun doch erlaubt werde. „Um Spargel zu ernten, können wir Ausnahmen machen, aber offensichtlich nicht um die dringende humanitäre Hilfe für Kinder und Jugendliche in Griechenland zu leisten“, so die Osnabrücker Initiative. Mit der Aktion wollte die Seebrücke auch deutlich machen, dass die Europäische Union angesichts der Gefahr einer Ausbreitung von Corona in den vollkommen überfüllten Flüchtlingslagern dringend eine Evakuierung der übrigen Geflüchteten durchführen muss.

Einen Anlass zur Freude hatten die Aktiven der Seebrücke trotzdem. Schon nach wenigen Tagen hat die Spendenaktion für das Gemeinschaftszentrum One Happy Family (OHF) im Flüchtlingslager Moria über 10.000 Euro eingebracht. Diese Mittel sollen nun dafür verwendet werden, das Zentrum wieder aufzubauen, das durch Brandstiftung von vermutlich Rechtsradikalen zerstört wurde. OHF leistet dort Bildungs- und Gesundheitsarbeit und kocht für die Flüchtlinge, die sich selbst stark engagieren. Die Seebrücke Osnabrück dankt allen Spendern für ihre bisherige Unterstützung. Über die Website von OHF (https://ohf-lesvos.org/de/spenden) können weiterhin auch direkt Spenden geleistet werden.

Über persönliche Kontakte zu Nichtregierungsorganisationen in Thessaloniki hat die Seebrücke zudem erfahren, wie dramatisch die Lage der insgesamt etwa 115.000 Flüchtlinge auch auf dem griechischen Festland infolge der Corona-Krise inzwischen geworden ist. So leben z.B. alleine in Thessaloniki mehr als 2000 Menschen auf der Straße oder in Bauruinen. Alle Armenspeisungen wurden geschlossen. Organisationen haben keinen Zugang zu den Bewohnern der Aufnahme-Lager. Durch die Schließung der Asylbehörde für mindestens einen Monat, haben alle Menschen ohne Papiere keinen Anspruch auf Hilfsprogramme.  Alle diejenigen, die bisher durch Schwarzarbeit oder Tageslohn sich selbst unterhalten konnten, stehen nun nach Schließung fast aller kleinen Betriebe und ohne den Straßenverkauf ohne jedes Einkommen da. Regelungen wie Kurzarbeit oder finanzielle Hilfen für Kleinbetriebe sind in Griechenland bisher nicht in Sicht.

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